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Mountain, Spring (Masayoshi Fujita, Oil on Paper, 2007)

 

Masayoshi Fujita & Jan Jelinek: Bird, Lake, Objects

 

Befragt man Masayoshi Fujita zu dessen Lieblingsbegriff in der deutschen Sprache, nennt er ohne zu Zögern das Wort ‚getragen’. Auf weiteres Nachfragen wird klar, dass hauptsächlich die semantischen Merkmale des Wortes gemeint sind, die er wie folgt benennt: groß, tief, still und ernst. Das der Deutungskatalog des Wortes ‚getragen’ aber noch eine weitere Auslegung zulässt, nämlich die Zustandsbeschreibung eines Wäschestücks, verheimliche ich ihm lieber.

Aber ist Masayoshis Definition auch auf Bird, Lake, Objects anwendbar? Wohl eher nur eingeschränkt. Gewiss, im Vergleich zu den bisherigen faitiche-Veröffentlichungen ist Bird, Lake, Objects mit Sicherheit am ‚getragensten’. Dennoch ist es bei weiten nicht die erste Assoziation, die mir beim Hören der Aufnahmen in den Sinn kommt. Die Aufnahmen erscheinen aus der Distanz vielmehr ‚introspektiv’, fast ‚vorsichtig’. Eigenschaften, die auch treffend die Aufnahmesituation widerspiegeln: Bewusst auf ein Raummikrofon und einer separaten Aufnahmespur für alle weiteren Instrumente reduziert, wurde jede Bewegung und jedes Hantieren verräterisch mit aufgezeichnet. Das führte zu mir bislang unbekannten Problemen. So musste beispielsweise die Bestuhlung ausgewechselt werden, da der von mir favorisierte Sitz zu laut knarrte. Anderen Einflüssen waren wir hilflos ausgeliefert: Feuerwehrsirenen, Straßengeräusche und Tritthall flossen in die Aufnahmen mit ein, wurden Bestandteil der Improvisationen. Jede Bewegung war also vorsichtig überlegt, mit dem Wissen um ihre Unwiderruflichkeit. Der Raum war immer präsent.

Mit Ausnahme des Stücks Stripped to RM, dass ohne Vibraphonspur und Mikrofon abgemischt wurde. Nach langer Überlegung rangen wir uns dazu durch, hier auf das Vibraphon zu verzichten. In einer sehr ähnlichen Version wurde es schon 2008 veröffentlicht (Enjoy The Silence Compilation, Mule Electronic 2008).  

 

Über Masayoshi Fujita:

 

Über Umwege kam Masayoshi Fujita nach Berlin. Als Kind durch Bon Jovi zur Musik gefunden, verschlug es ihn verständlicherweise zunächst ins Mutterland der Rockmusik, in die USA. Dort hielt es ihn ein Jahr, dann zog er zurück nach Japan, um Film zu studieren.  Doch die Liebe zum Filmhandwerk war nicht so groß wie die zu Bon Jovi, deren Texte er noch heute mitsingen kann. Er beschloss Schlagzeug zu spielen, später dann auch Vibraphon, um eigenen Kompositionen spielen zu können. Die sind vor allem von Jazz und elektronischer Musik beeinflusst. Erkennend, dass das Vibraphon nicht auf seine klassische Spielweise beschränkt werden darf, beginnt Masayoshi das Instrument mit Hilfe von Metallgegenständen, Folien und ähnlichem zu präparieren. Die neu gewonnenen Klänge gleichen Verzerrun gen, das Spektrum des Vibraphons erweiternd, ohne den eigentlichen Charakter des Instruments auszuhöhlen oder ganz hinter sich zu lassen. Neben seiner sehr reduzierten und überlegten Spielweise ist es dieser klangliche Neuentwurf, der Masayoshi Fujitas Handwerk in m­einen Augen so bemerkenswert macht. Förmlich in Bann gezogen, war es mir ein Vergnügen sein Spiel begleiten zu dürfen.

Nicht unerwähnt bleiben sollen Masayoshis Holzdrucke, die auf dem Cover und Booklet von Bird, Lake, Objects abgebildet sind. Zu sehen sind reduzierte, abstrakte, monochrome Landschaften. Ein Leichtes, Parallelen zu seiner Musik zu ziehen.

 

Jan Jelinek

 

 


Fog, Lake (Masayoshi Fujita, Oil on Paper, 2007) / Bird, Fog, Objects (Masayoshi Fujita, Oil on Paper, 2007)


Tracklisting:

 

1. undercurrent

2. workshop for modernity

3. I'll change your life

4. waltz (a lonely crowd)

5. stripped to RM

6. IA_AI


1. Undercurrent
3. I'll change your life
5. Stripped to RM


Mountain (Masayoshi Fujita, Oil on Paper, 2007)